Der Interessenverband Deutsches Schauspiel e.V. nimmt zu den Vertragsbedingungen von Netflix,
die den Synchronsprecher*innen aktuell vorgelegt werden, wie folgt Stellung:
Netflix bezieht sich in seinen aktuellen Vertragsbedingungen u.a. auf die mit dem Bundesverband
Schauspiel e.V. (BFFS) ausgehandelten Gemeinsamen Vergütungsregeln (GVR). In diesen GVR wird
Netflix ohne jede Gegenleistung – z.B. ohne Informations- und Vergütungsverpflichtungen –
gestattet, die Darbietungen der Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspieler zu
Trainingszwecken seiner Synchron-KI zu nutzen.
Wir setzen als bekannt voraus, dass Netflix mit großem Aufwand an Werkzeugen arbeitet, die die
Stimmen der Originalschauspielerinnen und Originalschauspieler in möglichst alle Sprachen
dergestalt transformieren, dass die Synchronisation von Filmen eine Mitwirkung von
Synchronschaupielerinnen und Synchronschauspielern in Zukunft überflüssig macht.
Wir möchten nicht darüber spekulieren, ob und wann Netflix derartige Werkzeuge erstellt haben
wird, die dann – nach Ansicht von Netflix – qualitativ ausreichend sein werden, um auf die
Mitwirkung von Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspielern gänzlich zu verzichten.
Es ist aber offensichtlich, dass Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspieler, die die
aktuellen Verträge von Netflix unterschreiben, ihre Darbietungen Netflix ohne jede Kontrolle bzw.
ohne jede zukünftige Vergütung überlassen, wenn Netflix seine erkennbare Absicht verwirklicht, in
Zukunft für die verschiedenen Synchronfassungen keine Synchronschauspielerinnen und
Synchronschauspieler mehr zu gebrauchen.
Wir halten daher das Verhalten der vielen Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspieler, die
sich trotz großer persönlicher Risiken und Nachteile weigern, die aktuellen Verträge von Netflix zu
unterschreiben, für in der Sache richtig und bewundernswert.
Auch wenn am Ende jede Synchronschauspielerin und jeder Synchronschauspieler selbst entscheiden
muss, auf welche Vertragsbedingungen sie oder er sich einlässt bzw. einlassen kann, so sollte sich
doch jede Synchronschauspielerin und jeder Synchronschauspieler gut überlegen, ob sie Netflix in
dessen Bestreben unterstützen, Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspieler überflüssig zu
machen – oder ob sie sich solidarisch mit ihren Kolleginnen und Kollegen zeigen, die sich in
vorbildhafter Weise weigern, Netflix bedingungs- und kostenlos die eigenen Darbietungen als
Material zur Erschaffung eines Werkzeuges zu geben, welches die Überflüssigmachung aller
Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspieler zum Ziel hat – selbst wenn sie möglicherweise
das Unheil nicht auf Dauer werden aufhalten können.